Seebühne Salzkammergut Wolfgangsee

Punktlandung

Eine bühne im hang

Ohne Toleranz

Die Stahlstütze wird in die Anker eingefädelt, aufgesetzt und verschraubt.

Ausgangslage

Der Ferienhort St. Wolfgang liegt unmittelbar am Ufer des Wolfgangsees. Zwischen Gebäude und Wasser erstreckt sich ein steiler Hang, ausgewiesen als Grünland und Teil des Landschaftsschutzgebiets „Schafberg–Salzkammergutseen“.
Der Uferbereich ist gemäß den übergeordneten Zielsetzungen von Bebauung freizuhalten. Bauliche Eingriffe sind nur unter besonderen Voraussetzungen und ausschließlich temporär zulässig. Am Standort überlagern sich Anforderungen aus Naturschutz-, Wasser- und Baurecht mit den betrieblichen Interessen des Ferienhorts als Veranstaltungsort.
Im Rahmen des Wolfgangsjahres 2024 sollte an genau diesem Ort eine Veranstaltungsstätte für rund 800 Personen errichtet werden – inklusive Bühne, Tribüne und technischer Infrastruktur.
Damit entsteht ein Widerspruch: Ein Ort, der freizuhalten ist, wird bespielt. Ein Eingriff, der möglichst nicht stattfinden soll, wird erforderlich.
Die Aufgabe bestand nicht nur in der Entwicklung eines Bauwerks, sondern in der Entwicklung einer Lösung, die unter diesen Bedingungen genehmigungsfähig, errichtbar und vollständig rückbaubar ist.

Ferienhort am Wolfgangsee mit vorgelagertem Hangbereich.

Prinzip

Bereits in der frühen Konzeptionsphase (als USAGI KG) wurde die Vision der Seebühne visualisiert. Das hier gezeigte Rendering bildete die Grundlage für die spätere konstruktive Ausarbeitung.

Ausgehend vom gestalterischen Entwurf von Architekt Eduard Neversal wurde ein modular aufgebautes Tragsystem auf Basis standardisierter Gitterträger untersucht. Unter den gegebenen Randbedingungen führte dieser Ansatz jedoch zu einer Vielzahl individueller Anpassungen und hob damit den Vorteil der Systembauweise – Wiederholbarkeit und Wirtschaftlichkeit – auf.

Während der Vorentwurf die räumliche Setzung definierte, bestand die Herausforderung der Ausführungsplanung darin, die individuelle Geometrie nicht über ein Standard-System abzubilden, sondern ein direkt tragendes System zu entwickeln.

Vorentwurf auf Basis eines modularen Tragsystems 

Rendering: USAGI KG | Andreas Haselgruber

Die Konstruktion wird neu gedacht.

Ein Tragsystem auf Basis standardisierter Gitterträger setzt Wiederholung und Gleichmaß voraus. Im Hang führt die notwendige Anpassung an die Topografie jedoch zu einer Vielzahl individueller Geometrien und Anschlussdetails. Die Systemlogik kehrt sich damit um: Die Variation wird nicht reduziert, sondern erzeugt zusätzlichen Aufwand – statisch, konstruktiv und wirtschaftlich.

Die individuelle Geometrie wird nicht mehr über ein standardisiertes System abgebildet, sondern selbst zum Ausgangspunkt der Konstruktion.

Anstelle eines indirekten Systems mit sekundären Traggliedern wird ein direkt tragendes System aus Vollprofilen entwickelt. Die Kräfte werden ohne Umlenkung in die Auflagerpunkte geführt, wodurch sich die erforderlichen Querschnitte präzise dimensionieren lassen. Trotz der Einzelbauteile entstehen so schlanke, statisch klare Elemente mit reduzierter Bauhöhe und minimiertem Materialeinsatz.

Die Konstruktion wird über wenige, exakt definierte Auflagerpunkte im Hang gegründet. Das Tragwerk folgt der Topografie und übersetzt sie in ein eigenständiges System aus Stützen und punktuellen Fundamenten. Die Lastabtragung erfolgt gezielt und eindeutig über diese Punkte in den Baugrund. 

Die Bühne entsteht aus der präzisen Setzung dieser Punkte.

Das System

Umsetzung

Gründung / Auflagerpunkte

Grundlage der Ausführung ist die präzise Festlegung der Auflagerpunkte im Gelände. Die Fundamente werden punktuell im Hang hergestellt und exakt auf die zuvor definierte Geometrie abgestimmt. Die Lage und Höhen dieser Punkte sind konstruktiv eindeutig bestimmt und bilden die Grundlage für die gesamte weitere Umsetzung.

Stahlbau / Tragstruktur

Das Tragwerk wird als direkt tragendes System aus Vollprofilen ausgeführt. Die Stützen werden auf die vorbereiteten Fundamente gesetzt und kraftschlüssig verbunden. Die Lastabtragung erfolgt direkt über die definierten Auflagerpunkte in den Baugrund. Die Montage folgt der zuvor festgelegten Systemlogik ohne konstruktiven Spielraum. Die Positionierung der tragenden Elemente erfolgt exakt auf den definierten Punkten.

Die Ausführung wird damit zur unmittelbaren Umsetzung der Planung.

Fazit

Die Seebühne ist kein Bauwerk im klassischen Sinn, sondern das Ergebnis einer konsequenten Reduktion unter widersprüchlichen Rahmenbedingungen.
Sie entsteht aus der Überlagerung von Landschaft, Nutzung und rechtlichen Vorgaben und bleibt in ihrer Gesamtheit temporär, reversibel und auf das Notwendige reduziert.

Projektdaten und Beteiligte
Projekt: Salzkammergut Seebühne Wolfgangsee
Auftraggeber: Wolfgang Betriebsgemeinnützige GmbH, St. Gilgen
Entwicklung des Entwurfs, Einreich- und Ausführungsplanung sowie Projektkoordination: Andreas Haselgruber / USAGI KG
Bauleitung in der finalen Umsetzungsphase: Andreas Haselgruber / USAGI KG
Planverfasser: Architekt Eduard Neversal Ziviltechniker GmbH
Tragwerksplanung: DI Mitterdorfer ZT GmbH
Visualisierung (Vorentwurf): Andreas Haselgruber / USAGI KG
Ausführende Unternehmen:
Baumeister: Zeppetzauer Bau- und Zimmerei GmbH
Stahlbau: Nilu Stahlbau GmbH
Holzbau: Holzbau Unterrainer GmbH
Gebäudehülle: Europlan Wassermair GmbH
Elektrotechnik: Elektro Peter Plamberger

Fotos: Nilu Stahlbau GmbH, Zeppetzauer Bau- und Zimmerei GmbH, Ingrid Chladek