Vieles soll unmittelbar geschehen, sofort verfügbar sein.
Architektur folgt jedoch einer anderen Zeit. Sie eilt nicht zum Ergebnis, sondern entsteht zunächst im Denken – im ständigen Prüfen und Überarbeiten von Möglichkeiten, aus denen schließlich Planung wird.
Gebäude entstehen aus Entscheidungen, deren Folgen oft Jahrzehnte oder Generationen überdauern. Planung verbindet deshalb Gegenwart und Zukunft. Hinzu kommt eine Besonderheit der Architektur: Jedes Gebäude ist ein Prototyp.
Während industrielle Produkte in Serien entstehen und sich durch Wiederholung optimieren lassen, wird ein Bauwerk in der Regel nur einmal gebaut. Besonders beim Bauen im Bestand zeigt sich diese Einmaligkeit. Ein gewachsenes Gebäude trifft auf einen neuen Eingriff – zwei Singularitäten, aus denen etwas Neues entsteht.
Architektur bewegt sich damit außerhalb der Logik schneller Lösungen. Sie verlangt Zeit, Abwägung und Verantwortung.
In diesem Sinn ähnelt der Architekt dem Epiker, von dem Friedrich Schiller schreibt, dass er nicht zum Ziel eilt, sondern mit Liebe bei jedem Schritte verweilt.